BodenKunstFonds

Kunst im Dienste der Bodenfruchtbarkeit

Wir haben den BodenKunstFonds ins Leben gerufen, um zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Disziplinen Kunstaktionen im Dienste unserer Böden durchzuführen. Die Kunst hilft, um grosse Zusammenhänge erlebbar zu machen und potenziert unsere Wirksamkeit. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist unsere Zusammenarbeit mit der Staatsphilharmonie Nürnberg, aus der jetzt ein eigener Film entstanden ist:

Neu: «Dirigenten des Bodens» – Film, Live-Musik und Gespräch

Was passiert, wenn Bäuerinnen, Bauern und Orchestermusiker einander zuhören? Im Sommer 2023 kamen auf dem Hofgut Rengoldshausen am Bodensee Landwirte und Musikerinnen und Musiker der Staatsphilharmonie Nürnberg zusammen. Sie führten Gespräche auf dem Acker, spielten im Kuhstall und schliesslich Beethovens «Pastorale» unter freiem Himmel, vor rund 500 Gästen.

Daraus ist der Film «Dirigenten des Bodens» entstanden. Er erzählt von Bäuerinnen und Bauern, die die bedrohte Fruchtbarkeit unserer Böden wiederherstellen. Und er zeigt, was lebendiger Humus für unsere Gesundheit und für die Erde bedeutet. Mit unserem Bodenfruchtbarkeitsfonds haben wir rund 30 Höfe über sieben Jahre auf diesem Weg begleitet, mit messbarem Erfolg.

Der Film entstand gemeinsam mit PhilForNature, der Nachhaltigkeitsinitiative von Musikerinnen und Musikern der Staatsphilharmonie Nürnberg. Er mahnt nicht, er macht Mut. Seine Botschaft lautet nicht «Rettet die Umwelt!», sondern: «Wir sind nicht machtlos. Wir können die Partnerschaft von Mensch und Erde erneuern – und es geschieht bereits.»

Filmvorführung mit Konzert und Podium
Nach dem Film spielen Musikerinnen und Musiker von PhilForNature live. Danach folgt ein Podiumsgespräch zum Thema.

Warum braucht der Boden eine Stimme?

Die Fruchtbarkeit unserer Böden nimmt vor unseren Haustüren und weltweit rasant ab. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir die Beziehung zum Boden verloren haben, seine Bedürfnisse nicht kennen und ihn deshalb nicht mehr wesensgemäss behandeln. Das Fatale daran: Fast alle unsere Lebensmittel stammen vom Boden. Darüber hinaus ist er nach den Ozeanen auch der zweitgrößte Kohlenstoffspeicher der Erde und dadurch unverzichtbar für den Klimaschutz.

Wenn wir unsere Beziehung zum Boden erneuern und seine Bedürfnisse kennen, können wir ihn für kommende Generationen fruchtbar erhalten. Denn erst was wir kennen werden wir schützen. Doch anders als ein leidendes Tier berührt uns der Boden nicht so emotional und unmittelbar. Wir müssen ihn uns erst bewusst erschliessen und dann handeln.

Klassische Musik für die Bodenfruchtbarkeit und das Klima – Eine fruchtbare Kooperation mit der Staatsphilharmonie Nürnberg

Auch die Musikerinnen und Musiker der Staatsphilharmonie Nürnberg haben das erkannt und sind vor einigen Jahren auf uns zugekommen: Sie wollen mit ihren Möglichkeiten, mit ihrem Talent, mit ihrer Musik dazu beitragen, dass genau diese Botschaft in die Welt kommt. Welch‘ schöne Idee! Zusammen haben wir seither verschiedene Projektideen entwickelt und durchgeführt aus denen wiederum der BodenKunstFonds hervorgegangen ist. Ungewöhnlich an dieser Kooperation ist, das persönliche Engagement der Musiker:innen und dass sie nicht nur ihre Musik in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen, sondern selbst den geschützten Raum des Opernhauses verlassen, um die Zusammenhänge direkt auf dem Bauernhof, am Boden zu erleben und zu verstehen.

„In der Zusammenarbeit haben wir immer wieder Parallelen festgestellt – zwischen ihrer Arbeit und derjenigen der Bäuerinnen und Bauern. Denn der äussere Boden, den die Bäuerinnen und Bauern bewirtschaften, und unser innerer, seelisch-geistiger Boden brauchen beide eine kultivierte Aufmerksamkeit und Zuwendung, um ihr volles Potenzial entfalten zu können. Die Musik kann helfen, die seelischen und geistigen Tiefenschichten zu lockern und Bewusstsein zu schaffen. Auch das ist eine Kulturtat, eine Kultivierung, also etwas, was getan werden will und nicht einfach automatisch passiert. Die emotionale Kraft der Musik ist für uns dabei das Medium, Menschen zu erreichen und zu inspirieren.“

Mathias Forster, Geschäftsführer & Stiftungsrat Bio-Stiftung Schweiz

Das Ackerkonzert

Als bisheriger Höhepunkt der Kooperation fand am 22. Juli 2023 um 11 Uhr fand das Ackerkonzert auf dem Hofgut Rengoldshausen in Überlingen, einem Partnerbetrieb des Bodenfruchtbarkeitsfonds statt.

Mit grosser Freude durften wir fast 500 Menschen live auf dem Hofgut Rengoldshausen sowie etwa 100 per Livestream begrüssen und stellten gemeinsam den Boden und seiner Fruchtbarkeit und Pflege zwei Stunden lang in den Mittelpunkt (hier das ganze Programm): Die meisterhaft gespielte Musik, die Rederbeiträge und die Geräusche der Natur –  ein unvergesslicher Zusammenklang ganz unterschiedlicher Welten und Stimmen, die aber trotz ihrer Unterschiedlichkeit doch zusammengehören und zusammen klingen wollten. Vögel zwitscherten mit, ab und an hörte man das Muhen einer Kuh oder den durchdringenden Pfiff eines Bussards oder Milans. Ein Schmetterling drehte seine Runden auf der Bühne und umflatterte die Musikanten.

„Ich vermag nicht, diese Stimmung besser zu beschreiben. Aber ich hatte den Eindruck, dass hier tatsächlich Kultur und Natur eine neue Qualität in den Beziehungen zueinander gesucht und gefunden hatten, zumindest anfänglich, achtsam, aber mit viel Zukunftspotenzial.“

Mathias Forster